Kreditzins, KMU Crowdfunding

Wie man vom KMU-Rating zum Kreditzins kommt

Einen Kredit für KMU gibt es erst nach einer genauen Beurteilung der Finanzkennzahlen und weiterer Faktoren. Aus dem detaillierten Kreditrating leitet sich eine Empfehlung für den zu zahlenden Kreditzins ab.

In der sehr praxisorientierten Welt der Schweizer KMU ist es oft nicht ganz einfach, die scheinbar abgehobene Ratingwelt der Finanzbranche zu verstehen. Das liegt aber oft auch einfach daran, dass die Berechnung kaum je offengelegt wird und damit intransparent bleibt. Deshalb möchte ich hier einen tiefen Einblick in die Vorgänge hinter einem KMU-Kreditrating geben und erklären, was man davon erwarten kann und was nicht.

 

Das Kreditrating für KMU

Unter Rating versteht man gemäss Wikipedia eine im Finanzwesen vorgenommene skalierte Einstufung der Bonität eines Wirtschaftssubjekts (Unternehmen, Staat) oder eines Finanzinstruments. Die Einstufung erfolgt in der Regel durch eine Ratingagentur oder ein Kreditinstitut. Zur Anwendung kommt eine Skala von Bonitätsstufen, die man auch „Ratingskala“ nennt und die zumeist 8 bis 12 Stufen umfasst.

Das klingt kompliziert nach Finanzbranche und wird in der Praxis von KMU oft nur als Prozess in einer Black Box wahrgenommen. Eigentlich ist es aber nichts anderes als eine auf Finanz-Kennzahlen basierende Berechnung der Ausfallwahrscheinlichkeit des Schuldners für eine bestimmte Zeit.

Konkret heisst das: 

  • Ein Rating basiert auf der Berechnung einer Wahrscheinlichkeit und gibt keine absolute Garantie.
  • Die Berechnung basiert auf Finanzkennzahlen der Vergangenheit (der neueste Jahresabschluss). Es gibt keine Garantie, dass diese Finanzkennzahlen sich nicht verändern.
  • Die berechnete Ausfallwahrscheinlichkeit gilt für einen bestimmten Zeitraum. Ein KMU bezahlt seine Kreditraten in den kommenden 12 Monaten zumeist wesentlich sicherer als in den nächsten 48 Monaten.

Gibt es nun Kennzahlen, die als quantitative Faktoren ein zuverlässiger Indikator für gute oder schlechte Schuldner sind? Empirische Studien belegen, dass über „gut“ oder „schlecht“ ganz unterschiedliche Faktoren entscheiden. Selbst anerkannte Ratingagenturen lagen schon vollständig falsch, trotz all ihrer hoch entwickelten Berechnungstools (siehe die Fälle von Enron, WorldCom oder Parmalat).

 

Korrekte Buchungspraxis ist wichtig

Jedes Ratingsystem kann nur so gut sein wie die Daten, die in den Prozess eingespeist werden. Eine regelgetreue Buchungspraxis hat hohe Bedeutung, weil sonst die Finanzlage verzerrt erscheint. Dazu einige Beispiele:

  • Wenn bei einer Einzelfirma die Privatbezüge des Inhabers nicht im Personalaufwand oder in einem Unterkonto des Eigenkapitals verbucht werden oder kein kalkulatorischer Mindest-Unternehmerlohn eingesetzt ist, stimmt die EBITDA-Marge als Profitabilitätskennzahl nicht und das Rating verliert an Aussagekraft.
  • Korrekturen bei Abschreibungen müssen kalkulatorisch richtig – d. h. entsprechend der wirtschaftlichen Lebensdauer eines Investitionsgutes – eingesetzt werden.
  • Ausserordentliche oder nicht-betriebliche Erfolge müssen aus der Ratingberechnung eliminiert werden, da sie zumeist einmaligen Charakter haben.
  • Bei sehr kleinen KMU ist die Volatilität (Schwankungsbreite) von Ratings wesentlich höher als bei grösseren KMU, weil viele Kennzahlen in Prozent ermittelt werden und bereits kleine absolute Veränderungen grosse prozentuale Veränderungen bewirken.

 

Führungsstil, Strategie und Wettbewerbsfähigkeit zählen viel

Abseits der Zahlenwelt gibt es eine Vielzahl von Faktoren, die vor allem für inhabergeführte KMU sehr aussagekräftig sind, aber kaum je gemessen werden. Gerade inhabergeführte KMUs sind unmittelbar von den Fähigkeiten des Inhabers abhängig, der ja sein eigener Arbeitgeber ist. Qualitative Faktoren wie Managementqualität, Unternehmensstrategie und Wettbewerbsfähigkeit lassen sich nicht einfach in Zahlen ausdrücken und für die Berechnung von Ausfallwahrscheinlichkeiten verwenden.

In der Regel wissen aber Mitarbeitende, Lieferanten und Kunden einer Firma recht gut über deren „inneren“ Zustand Bescheid, auch wenn sie keinen Einblick in die Zahlen haben. Diese so genannten „weichen“ Faktoren sind für die Zukunft eines KMUs sehr relevant. Neben der zahlenbasierten quantitativen Analyse (Kreditfähigkeit) werden auch qualitative Aspekte eines Unternehmens berücksichtigt.

 

Vom Rating zur Risikoprämie

Werfen wir nochmals einen Blick in die Welt der mathematisch berechneten Finanzkennzahlen: Neben der Ausfallwahrscheinlichkeit hat die Risikoprämie eine hohe Bedeutung. Die Risikoprämie ergibt sich aus folgenden Faktoren:

  1. Ausfallwahrscheinlichkeit über eine gewisse Laufzeit (PD = Probability of Default): Bei einer Laufzeit von drei Jahren und Rating A+ (S&P-Rating, 5. Stufe*) beträgt sie 0,03% oder bei BB- (S&P-Rating, 13. Stufe*) sind es noch 0,22%.
  2. Ausstehendes Engagement zum Zeitpunkt des Ausfalles (EAD = Exposure at Default): Bei einer Kreditlaufzeit von drei Jahren beträgt das EAD nach zwei Jahren noch 35% des Kreditbetrages. Bei einem swisspeers-Kredit mit 3 Jahren Laufzeit sind nach 2 Jahren bereits knapp 2/3 des Kreditbetrages durch die monatlichen Raten zurückbezahlt.
  3. Recovery Rate, d. h. Konkurs-/Nachlassdividende oder „Deckungsquote“ nach dem Ausfallereignis: Bei einer aussergerichtlichen Sanierung zu 50% der Restschuld werden von der ausstehenden Restschuld 50% sofort bezahlt und 50% vom Gläubiger abgeschrieben.

 

Mit dem Kreditrisiko steigt der Zinssatz

Die kalkulatorisch ermittelte Risikoprämie ist für den Investor die Entschädigung (= Kreditzins) für die Übernahme des Kredit-Ausfallrisikos. Je höher das Risiko, desto höher die Risikoprämie und desto höher die Entschädigung: Der Schuldner muss mehr Zinsen zahlen, damit der Investor das Kreditrisiko übernimmt.

Für verschiedene swisspeers-Kreditprojekte sieht diese Welt so aus:

  • Beispiel 1: „Expansion Westschweiz: neuer Standort Bern“ mit Rating A,
    Coupon 4,25 %, Laufzeit 3 Jahre, Auktionsergebnis 100 %.
    Zinssatz-Range gemäss swisspeers-Rating A von 3,25 % – 4,25 %.
  • Beispiel 2: „Expansion für das Herbst-/Wintergeschäft“ mit Rating C+,
    Coupon 5,75 %, Laufzeit 1 Jahr, Auktionsergebnis 197 %.
    Zinssatz-Range gemäss swisspeers-Rating von 5,75 % – 7,25 %.
  • Beispiel 3: „Investition in Sortiment, grösseres Warenlager und Webshop“ mit Rating C, Coupon 7,25 %, Laufzeit 3 Jahre, Auktionsergebnis 104 %.
    Zinssatz-Range gemäss swisspeers-Rating C von 7,25 % – 9,25 %.

 

Gefragte Schuldner zahlen weniger Zins

Swisspeers-Kredite werden in einem Auktions-Verfahren vergeben. Der effektive Kreditzins ergibt sich dabei erst am Ende der Auktion. Nebst dem Zinsangebot des Kreditnehmers – entsprechend der durch das swisspeers-Rating vorgegebenen Range – ist die Nachfrage der Investoren entscheidend für den Zinssatz, der zur Anwendung kommt.

Der Investor hat die Möglichkeit, sein Angebot zu einem tieferen als dem angebotenen Zinssatz abzugeben und erhöht bei einer Überzeichnung der Auktion seine Chancen auf eine Zuteilung. Gleichzeitig besteht für den Kreditnehmer die Chance, dass er für seinen Kredit wegen der grossen Nachfrage durch Investoren weniger Zinsen zahlen muss.

 

Fazit

Aus Sicht des Investors ist der Zinssatz bei ungedeckten Krediten primär eine Risikoprämie, die hauptsächlich von der Ausfallwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers abhängt. Gibt es zahlreiche Kapitalangebote für einen Kredit, kann sich die Risikoprämie reduzieren, was die Kreditkosten für den Kreditnehmer senkt. Unverändert gilt aber die Grundregel: „Je höher der Zinssatz, desto höher das Risiko“.
*) Tabelle Standard & Poors mit 17 internen Ratingklassen und empirischen Ausfallraten von AAA (= triple AAA als beste Ratingklasse, PD 0,00 %) bis CCC/C (= schlechteste Ratingklasse, PD 27,02 %)

 

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Comment (1)

  • Peter Wullschleger Reply

    Ausgezeichnete Darstellung der Kriterien, welche bei der Kalkulation des Kredit-Zinssatzes zusätzlich zum Zinsniveau des Kapitalmarkts berücksichtigt werden müssen. Die Ausführungen machen auch deutlich, welche Überlegungen sich swisspeers bei der Bearbeitung eines Kreditantrags macht.

    17. Januar 2018 at 22:14

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