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Baumot Group AG - Impact Investment mit swisspeers

Geschrieben von Alwin Meyer | Jan 18, 2019 7:24:47 AM

Die Schweizer Tochtergesellschaft der Deutschen, börsenkotierten Baumot Group AG nimmt über die swisspeers Plattform Working Capital auf, um den stark steigenden Auftragseingang für ihre patentierten BNOX Dieselkatalysatoren und Russpartikelfilter zu bewältigen. Regulierungsanpassungen zum Jahreswechsel in mehreren Ländern sorgen seit Dezember für volle Auftragsbücher. Ich habe mich mit dem CEO der Baumot Group, Marcus Hausser zu den aktuellen Aussichten der Baumot Group und der Baumot AG in der Schweiz unterhalten.

 

Alwin Meyer: Was macht Baumot und wie seid Ihr anders als andere Unternehmen in diesem Geschäft?

Marcus Hausser: Die ursprünglich in der Schweiz gegründete Baumotoren AG (BAUMOT) ist über die letzten Jahre zu einem führenden Anbieter ganzheitlicher Lösungen im Bereich der Abgasnachbehandlung herangewachsen. Wir entwickeln und implementieren Produkte und Lösungen zur innovativen Abgasnachbehandlung der dritten Generation für Baumaschinen, Busse und ab Herbst auch für Personenwagen. Das sind wirtschaftliche, haltbare und zukunftssichere Systemlösungen. Wir sind in fast allen Ländern aktiv, in denen durch entsprechende Gesetze eine nachgerüstete Abgasnachbehandlung vorgeschrieben ist, unter anderem in der Schweiz, Deutschland, UK, Italien, Middle East und der Türkei. Aber auch in China haben wir schon in mehreren grossen Projekten ganze Busflotten umgerüstet und seit kurzem verfügen wir über eine der begehrten Zulassungen für den US-Markt.

 

Alwin Meyer: Wie und wo produziert Ihr die Abgasanlagen?

Markus Hausser: Wir lassen die meisten Teile gemäss unseren Vorgaben extern produzieren. Viele davon direkt in den Zielländern. Da die Anlagen einen hohen Anteil an Standardteilen aufweisen, erhöhen wir die Kapazität bei Bedarf schnell, in dem wir zusätzliche Lieferanten dazunehmen und Lohnfertiger beauftragen. Den Einbau in die Fahrzeuge führen wir bei den Busflotten zumeist mit eigenem Personal durch. Die Nachrüstsysteme für PKW werden über die lokalen Garagen und Autohäuser vertrieben und eingebaut. Auch die Steuerungssoftware und die Sensorenprogrammierung wird durch Baumot Spezialisten vorgenommen. Das System selbst ist durch Patente geschützt.

 

Alwin Meyer: Wie sieht ein typischer Auftrag für Baumot aus? 

Marcus Hausser: Ein Bussflottenbetreiber beauftragt uns mit der Umrüstung seiner Flotte aufgrund regulatorischer Vorgaben. In Grossbritannien bewegen sich die meisten Aufträge im Bereich von 200'000 bis 400'000 Pfund. Damit rüsten wir rund 15 bis 30 Busse mit einem BNOX System aus. Im Mittleren Osten bewegen sich die Aufträge primär für Russpartikelfilter zwischen 150'000 und 400'000 Euro pro Einzelauftrag. In der Schweiz rüsten wir unter anderem importierte Baumaschinen mit Russpartikelfiltern aus, das ursprüngliche Geschäft von Baumot.

 

Alwin Meyer: Seit September 2017 verfügt die Baumot AG über einen ersten swisspeers Kredit, welcher zu rund 40% zurückbezahlt ist. Kreditzweck war die Erhöhung der Lieferbereitschaft für das erwartete Umsatzwachstum und die Sicherstellung der Lagerbestände.  Was hat sich seit dieser Kreditaufnahme verändert im Umfeld und bei Baumot? Die im 2017 erwarteten Umsätze können erst jetzt realisiert werden. Was hat zur Verzögerung geführt?

Marcus Hausser: Unser Geschäft wird zu 100% getrieben vom Gesetzgeber in den jeweiligen Ländern. Die Anpassung, respektive Verschärfung der Abgasnormen durch die Gesetzgeber definiert unseren Umsatz. Das Verabschieden und die Inkraftsetzung von Gesetzesverschärfungen hat sich in einigen Schlüsselmärkten deutlich verzögert und wir haben deshalb auch drei schwierige Jahre hinter uns.

Andererseits ist man verpflichtet, zum Zeitpunkt der Inkraftsetzung, sofort lieferbereit zu sein. Die entsprechenden politischen Gremien wollen sofort zeigen können, dass die Umrüstung, beispielsweise von Busflotten, im Gang ist. Um dieses Stadium in einem Land zu erreichen, gehen wir jeweils vor Inkrafttreten der Gesetze durch intensive Qualifikations- resp. Verifikationsphasen und müssen unsere Lieferbereitschaft auf den Inkraftsetzungstermin belegen. Letzteres bedingt auch einen Lageraufbau. Das sind teure Prozesse. Beispielsweise in der Türkei sind wir an dem Punkt, wir warten auf die Inkraftsetzung des Gesetzes. Danach beginnen die Umrüstungen. Wann das der Fall sein wird, ist schwierig abschätzbar. So haben sich auch in Deutschland Verzögerungen ergeben, wie in den Medien oft berichtet wurde. Am 28.11. ist endlich die Nachrüstverordnung in Kraft gesetzt worden und ab Oktober könnte die Umrüstung von PKWs beginnen.

 

Alwin Meyer: Wofür benötigen Sie jetzt einen weiteren Kredit?

Marcus Hausser: Nachdem in den letzten Jahren nur wenige neue gesetzliche Verschärfungen der jeweiligen Abgasnorm in Kraft getreten sind, sehen wir uns jetzt gleich mehreren neu entstandenen wichtigen Absatzmärkten mit grossem Potenzial gegenüber. Aufgrund des dadurch seit Ende letzten Jahres stark anziehenden Ordereingangs benötigen wir schnell mehr Working Capital. Konkret geht es um folgende Projekte und Märkte:

  • Grossbritannien: Wir sind Aufträge für Busumrüstungen am Abarbeiten. Aufgrund der Auftragseingänge sind wir dabei den Durchsatz in den nächsten 8-10 Wochen zu verdoppeln.
  • Italien: Speziell die Lombardei führt weitere Umweltzonen ein und ich denke wir dürfen uns dort als Marktführer bezeichnen. Daher kommen hier jetzt viele Aufträge rein.
  • Deutschland: Aktuell sind die BNOx-Systeme in der Verifizierungsphase für den Einbau ab Oktober 2019. Der hier zu erwartende Umsatz ist in unseren Prognosen noch garnicht berücksichtigt, wird aber den bisherigen Umsatz der Gruppe vermutlich um Dimensionen übertreffen – wir sprechen über die Nachrüstung von vielen hunderttausend Autos. Dazu kommt noch einmal das Potenzial von Diesel-PKW aus Österreich und nicht zuletzt der Schweiz. Auch hier sind entsprechende Regelungen in Vorbereitung. Der Umsatz in Deutschland wird mit Royalties auf Patenten an die Schweizer Gesellschaft abgegolten.
  • Mittlerer Osten: Nach einem ruhigen Jahr 2018 sehen wir hier seit November/Dezember wieder einen starken Ordereingang mit weiter steigendem Volumen. Wir sind hier gerade dabei, unser Geschäft massiv weiter auszubauen.

Darüber hinaus haben wir in Osteuropa einige grosse Kunden, typischerweise Autozulieferer oder Nutzfahrzeughersteller, die jetzt richtig vorwärts machen. Es kommt also ziemlich alles auf einmal.

 

Alwin Meyer: Und wie sehen die mittelfristigen Prognosen aus?

Marcus Hausser: Unser Auftragsbuch ist für die wichtigsten Märkte bereits gut gefüllt bis Ende 3. Quartal 2019 und der Auftragseingang ist sehr erfreulich. Ich denke wir werden 2019 den Umsatz gegenüber 2018 sehr deutlich steigern. Insbesondere Deutschland wird voraussichtlich ab Ende 2019 einen grossen Beitrag leisten. Dazu können jederzeit weitere wichtige Märkte, wie die Türkei oder die USA kommen.

Wir sind weitgehend unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung – der dominante Erfolgsfaktor sind die Gesetzgebungsbemühungen in den einzelnen Ländern. Wenn das Gesetz verabschiedet ist, wird üblicherweise auch die staatliche Finanzierung der Projekte mit sichergestellt. Das heisst, dass wir jeweils für mehrere Jahre eine recht hohe Planungssicherheit haben.

 

Alwin Meyer: Sie feiern dieses Jahr Ihr ‘10 Jähriges’ bei Baumot. Was ist Ihr Hintergrund?

Marcus Hausser: Genau, vor fast 10 Jahren startete ich als CEO der Baumot AG in der Schweiz und seit 2012 bin ich CEO der Baumot Group. So hatte ich die Gelegenheit die letzten 10 Jahre stark mitzugestalten und bin selber in die Firma investiert. Davor war ich mehrere Jahre für eine Daimler Tochter in Detroit tätig, ebenfalls im Bereich der Abgasnachbehandlung.

 

Alwin Meyer: Herzlichen Dank Herr Hausser für die spannenden Hintergrundinformationen!

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