Wie weit reicht 1 Million Schweizer Franken erspartes Kapital in der Pension?
Die wichtigsten Faktoren für die Pensionsplanung
Bevor man mit der Planung beginnt, sollte man sich diese Faktoren vergegenwärtigen:
- Lebenserwartung: Als Schweizerin oder Schweizer hat man statistisch eine Lebenserwartung von 81 bis 84 Jahren. Daher sollte man langfristig planen.
- Die jährlichen Ausgaben: Als Richtwert benötigt man CHF 50’000 bis CHF 80’000 pro Jahr. Alleinlebende benötigen typischerweise weniger als Paare. Die genaue Summe richtet sich nach der persönlichen Lebensweise. Wichtig: man sollte die Ausgaben realistisch einschätzen. Ein Abweichung von 10’000 Franken pro Jahr mag klein erscheinen, summiert sich über die Pensionszeit aber schnell auf eine Viertelmillion.
- Die Inflationsrate: Man sollte jährlichen mit einer Geldentwertung von 0.5 bis 2% rechnen. Ein einfaches Beispiel zeigt, warum das wichtig ist: Wenn Sie CHF 1 Million Franken einfach 20 Jahre lang liegen lassen und die Inflation bei 2% liegt, verliert das Geld Wert, resp. Kaufkraft. Nach dieser Zeit können damit nur noch Dinge gekauft werden, die heute etwa 667’000 Franken kosten würden. Das ist ein Drittel weniger Kaufkraft. Schlussfolgerung: Nichts zu tun ist auch ein Risiko.
- Die mögliche Anlagerendite: Um das Geld vor der Teuerung zu schützen, sollte es klug anleglegt werden. Das gilt besonders für Geld, das nicht sofort gebraucht wird. Mit Anlagen können pro Jahr rund 2 bis 5% Rendite erwirtschaftet werden. Eine solche Anlagestrategie hilft, das Vermögen zu erhalten oder sogar zu vermehren.
Das Geld hat man sich während des ganzen Arbeitslebens hart erarbeitet und dafür auf manchen Konsum verzichtet. In der Pension ist es Zeit, die Früchte der Arbeit zu ernten. Man sollte den Ruhestand geldsorgenfrei geniessen können.
So reicht eine Million Franken am längsten
Die 1-Million-Franken-Strategie:
- Risiko streuen: Nicht alle Eier in denselben Korb legen. Das Geld sollte auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Obligationen, Immobilien, Krypto, Rohstoffe und alternative Anlagen. Ich sage jeweils: «Breit gestreut, niemals bereut».
- Geld zu verlieren kann schnell gehen. Daher gilt hier wie beim Fliegen: «Safety first». Der Schutz des Vermögens steht an erster Stelle. Man sollte auch gegenüber dem eigenen Finanzberater kritisch sein.
- Reserven halten: Genügend liquide Mittel für Notfälle und Unvorhergesehenes aufbewahren. Wie viel dazu gebraucht wird, hängt von zwei Dingen ab: dem eigenen monatlichen Budget und den Risiken der getätigten Anlagen.
So behält man die Ausgaben in der Pension im Griff
- Pensionsplanung: Es empfiehlt sich, einen einfachen Plan für die eigene Pension zu erstellen. Der Plan soll zeigen, wie sich das Vermögen über die Jahre entwickelt. Dazu gehören Immobilien, mögliche Erbschaften, Vorsorgekonten sowie alle anfallenden Steuern. So behält man den Überblick über die gesamten Finanzen und kann spätestens nach einem Jahr die eigenen Ausgaben hinterfragen.
Tipp: Die meisten Pensionsplanungen rechnen nur bis zum Alter von 80 Jahren. Da die Lebenserwartung jedoch höher sein kann, ist es sinnvoll, mindestens bis zum Alter von 90 Jahren oder darüber hinaus zu planen. - Die 4%-Regel: Eine bekannte Faustregel besagt, dass jährlich maximal 4 % des Vermögens ausgegeben werden sollten. Diese Regel ist grundsätzlich vernünftig. An diesem Punkt beginnt jedoch die Individualität: Möchte man grosszügig leben oder möglichst viel Vermögen weitergeben? Wie viel soll für den eigenen Lebensstandard verwendet werden, und welcher Anteil soll den Nachkommen zugutekommen? Diese Fragen sollten in der Pensionsplanung berücksichtigt werden.
- Höhere Entnahmen als 4 %: Was passiert, wenn mehr Geld benötigt wird oder wenn man beispielsweise nur von der AHV lebt?
Tipp: Die Pension sollte frühzeitig geplant werden, idealerweise ab dem 50. Lebensjahr. Eine gründliche Pensionsplanung hilft dabei, verschiedene Szenarien durchzurechnen und sich gut auf die Zukunft vorzubereiten.
Wichtig: Man sollte sich nicht nur auf einfache Zinsrechner verlassen. Diese bilden lediglich lineare Entwicklungen ab, was jedoch nicht der Realität entspricht. Anlagen unterliegen Wertschwankungen. Im ungünstigsten Fall müssten Anlagen verkauft werden, wenn die Kurse tief stehen, was zu erheblichen Verlusten führen kann. Dem gilt es vorzubeugen. Safety first. - Prozess: Es ist sinnvoll, ein einfaches System zur Kontrolle der monatlichen oder sogar wöchentlichen Ausgaben zu erstellen. Dafür kann eine App, eine Excel-Tabelle oder das klassische «Milchbüechli» verwendet werden. Entscheidend ist, die Methode zu wählen, die am besten passt. Dieser Punkt wird häufig unterschätzt, obwohl ein gutes Ausgabensystem sehr wichtig ist.
Was bedeutet 1 Million Franken im Ruhestand konkret für Sie?
Mit 1 Million Franken und einer vorsichtigen Entnahmerate von 4% stehen jährlich 40’000 Franken zur Verfügung. Dies sollte als Ergänzung zu Ihrer AHV und/oder der Pensionskassenrente (2. Säule) betrachtet werden. Vieles hängt dabei von den Lebenshaltungskosten ab.
Diese Punkte sollte man bei der Pensionierung beachten:
- Darüber nachdenken: Es lohnt sich, sich zu überlegen, in welcher Lebensphase Geld ausgegeben werden soll – eher mit 60 oder mit 80 Jahren. Dabei sollte man sich Gedanken darüber machen, wie viel Geld zu welchem Zeitpunkt benötigt wird und welchen Betrag man seinen Liebsten überlassen möchte.
- Gesundheit: Im Alter sollten höhere Gesundheits- und Pflegekosten eingeplant werden. Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich so viel wie möglich zu bewegen, ohne zu übertreiben. Wichtig zu wissen: Nur rund 25 % der Bevölkerung ziehen später in ein Altersheim.
- Anlageschwankungen: Wer beispielsweise 1 Million Franken anlegt, muss damit rechnen, dass sich der Wert der Investition immer wieder verändert. Das ist ganz normal und gilt für jede Anlageform. Eine Schwankung von 20 % bedeutet bei diesem Vermögen bereits 200’000 Franken mehr oder weniger. Mehr ist immer angenehm – doch was passiert, wenn es weniger ist? Entscheidend ist die ehrliche Frage, ob man mit solchen Schwankungen ruhig schlafen kann. Es lohnt sich, genügend Zeit zu investieren, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Das Angebot an Anlagen ist gross, und viele Anbieter versprechen immer noch bessere Lösungen. Am Ende zählt jedoch, welche Lösung wirklich zu den eigenen Zielen passt – denn es ist das eigene Geld.
- Steuern: Bei der Planung sollten Vermögens- und Einkommenssteuern berücksichtigt werden. Diese fallen oft höher aus als erwartet, weil wichtige Abzüge – etwa Berufsauslagen oder Einzahlungen in die Säule 3a – im Ruhestand wegfallen. Zudem sind Renten zu 100 % steuerbar, und unter Umständen kommt zusätzlich der Eigenmietwert hinzu.
- Wohnen: Es sollte frühzeitig entschieden werden, ob Wohneigentum oder Miete langfristig sinnvoller ist. Ebenso wichtig ist ein gutes soziales Umfeld oder Netzwerk, falls im Alltag einmal Unterstützung benötigt wird.
- Erbe: Es ist ratsam, frühzeitig zu planen, was mit dem eigenen Vermögen nach dem Tod geschehen soll. Besonders wichtig ist es, solche Entscheidungen zu treffen, solange man noch klar urteilen kann. Sollte später beispielsweise eine Demenz auftreten, können wichtige Entscheidungen möglicherweise nicht mehr selbst getroffen werden. Deshalb sollte man nicht zu lange warten. Viele Menschen schieben dieses Thema gerne auf, doch die Regelung des eigenen Erbes ist zu wichtig, um sie zu verschieben. Am Ende tragen die Angehörigen die Folgen, nicht mehr man selbst.
Fazit: So lange kann 1 Million Franken reichen
Der Schlüssel liegt im persönlichen Lebensstil, der Lebenserwartung, einem sauberen Prozess zur Kontrolle der eigenen Kosten und einem bewussten Umgang mit Anlagerisiken. Daraus ergeben sich die Erträge. Der grösste Hebel ist eine saubere Vorbereitung. Finanzplanung ist auch Lebensplanung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viel kann man monatlich aus 1 Million Franken entnehmen?
Unter Anwendung der oben beschriebenen 4%-(Faust-)Regel stehen etwa 3’333 CHF pro Monat zur Verfügung, ohne Zins und Teuerung. Dieser Betrag kann als Ergänzung zu AHV und Pensionskasse betrachtet werden.
Sollte das Geld komplett in Immobilien investiert werden?
Eine vollständige Investition in Immobilien ist keine gute Idee. Hier sind die wichtigsten Gründe dafür:
- Man setzt alles auf eine Karte (Klumpenrisiko)
- Das Geld ist fest gebunden und nicht einfach verfügbar
- Man muss sich um Mieter, Reparaturen und Verwaltung kümmern
- Meistens benötigt man zusätzlich eine Hypothek. Danns stellt sich die Frage, wie man reagiert, wenn die Hypothekarzinsen unerwartet steigen, wie in den 90er-Jahren?
Wie schütze man sein Vermögen vor der Inflation?
Indem man in Sachwerte investiert. Sachwerte sind greifbare Werte, zum Beispiel Aktien, Immobilien oder Gold. Bitcoin ist zwar kein klassischer Sachwert, sollte theoretisch aber ebenfalls vor Inflation schützen. Erst die Zukunft wird zeigen, wie sich der Bitcoin-Wert in den kommenden Jahren und Jahrzehnten tatsächlich entwickelt. Sachwerte haben den Nachteil, dass Sie im Voraus keine Garantie haben, was sie an einem bestimmten Tag wert sein werden. Man hat lediglich Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, wobei die Datenlage je nach Anlageklasse unterschiedlich ist.
Im Gegensatz zu Sachwerten stehen Geldwerte wie Obligationen oder Lebensversicherungen. Bei diesen erhält man ein Versprechen für eine bestimmte Geldsumme in der Zukunft. Das Problem dabei ist: Man weiss nicht, was man sich später mit diesem Geld tatsächlich kaufen kann, weil sich die Kaufkraft über die Zeit verändert.
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Quellen & Links
- Originalbeitrag von Tommaso Rubino:
500'000 Franken in der Pension - Über Tommaso Rubino:
finanzberatung-rubino.ch - Weitere Beiträge zu Finanzplanung und Pensionsplanung:
Zum Finanzblog von Tommaso Rubino

