Nachhaltig investieren: Der umfassende Ratgeber für grüne Geldanlagen
In den vergangenen Jahrzehnten wuchs in der Bevölkerung und in den Unternehmen das Bewusstsein für die Bedeutung des nachhaltigen Wirtschaftens, weil die Auswirkungen einer Vernachlässigung von Nachhaltigkeitskriterien unübersehbar sind. Bedeutung, Messbarkeit und Transparenz beleuchten wir im heutigen Blogpost.
Was bedeutet nachhaltig investieren?
Nachhaltig investieren bedeutet, in Anlageprodukte oder Projekte zu investieren, die nicht nur finanzielle Renditen erzielen, sondern gleichzeitig auch ökologische, soziale und ethische Aspekte einschliessen. Es geht darum, Kapital so anzulegen, dass es langfristig positive Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft hat, ohne dabei die finanzielle Zielsetzung zu vernachlässigen.
Impact Investing geht einen Schritt weiter und bezeichnet eine Anlagestrategie, bei der Kapital gezielt in Unternehmen, Organisationen oder Projekte investiert wird, die neben einer finanziellen Rendite auch messbare positive soziale oder ökologische Auswirkungen erzielen.
In diesem Zusammenhang haben sich die sogenannten ESG-Kriterien etabliert. Sie finden seitens Investoren Verwendung, um ein gesamtheitliches Bild eines Unternehmens zu erhalten, welches über die finanzielle Dimension hinausreicht.
Was versteht man unter ESG beim Investieren?
Unter ESG versteht man «Environment», «Social», «Governance» – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und die Kriterien gelten als Grundlage für das Bestreben, nachhaltig zu investieren.
«Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.» – Brundtland-Report - Vereinte Nationen (1987)
Die drei Dimensionen der ESG Kriterien:
- Unter dem Umweltaspekt werden Themen wie CO2-Emissionen, Biodiversität, Wasser- und Ressourcenverbrauch beurteilt.
- Bei der sozialen Dimension finden Themen wie Mitarbeiter, Sicherheit und Gesundheit sowie Menschenrechte Beachtung.
- Bei der Unternehmensführung werden Themen wie Managementstruktur, Massnahmen zur Korruptionsbekämpfung oder der Umgang mit Whistleblowing analysiert.
Nachhaltig anlegen: Wichtige Merkmale
- Zielgerichtete Wirkung: Investitionen zielen auf konkrete positive Veränderungen in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Armutsbekämpfung, Umwelt oder nachhaltige Entwicklung ab.
- Messbarkeit: Die Wirkung der Investitionen wird regelmässig gemessen und bewertet. Investoren möchten wissen, wie ihre Mittel zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen.
- Finanzielle Rendite: Im Gegensatz zu rein philanthropischen Projekten erwarten viele Investoren eine marktübliche oder sogar überdurchschnittliche Rendite, die jedoch nicht die einzige Priorität hat.
- Langfristige Perspektive: Nachhaltig Geld anlegen erfordert oft Geduld, da die positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft oder Umwelt in der Regel langfristig sichtbar werden.
Nachhaltig investieren: Wichtige Leitfragen
Welche konkreten sozialen oder ökologischen Ziele verfolgt das Investment?
Wird mit der Investition ein messbarer Beitrag zu Themen wie Klimaschutz, Armutsbekämpfung oder der Förderung nachhaltiger Energiequellen geleistet?
Wie greifbar und nachweisbar ist die Wirkung des Investments?
Werden Fortschritte und Ergebnisse transparent dokumentiert, z. B. durch Reporting zu CO₂-Einsparungen oder der Anzahl produzierter nachhaltiger Produkte?
Wie stark ist das Investment mit der realen Wirtschaft verknüpft?
Fliesst das Kapital in greifbare, physische Projekte wie Windparks oder Solarenergieanlagen, die eine direkte Auswirkung auf Umwelt oder Gesellschaft haben?
In welche Branchen oder Unternehmen wird investiert?
Werden Unternehmen unterstützt, die positive Veränderungen in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung vorantreiben? Welche Ausschlusskriterien bestehen für Branchen wie Tabak, Waffen oder fossile Brennstoffe?
Wie transparent sind die Informationen zum Investment?
Wie gut sind die Informationsquellen und Berichterstattung über die Auswirkungen des Investments? Wird regelmässig aufgezeigt, wie das Kapital zur Erreichung der festgelegten Ziele beiträgt?
In welche Märkte oder Projekte fliesst das Kapital?
Wird das Geld in sekundäre Finanzmärkte investiert, oder geht es direkt in Projekte und Initiativen, die auf langfristige, positive Veränderungen ausgerichtet sind (z. B. nachhaltige Infrastruktur oder soziale Unternehmen)?
Welche Rendite wird angestrebt?
Wird neben der finanziellen Rendite auch ein Fokus auf den positiven sozialen oder ökologischen Impact gelegt, und wie werden diese beiden Aspekte miteinander kombiniert?
Wie wird das Risiko im Vergleich zu traditionellen Investitionen eingeschätzt?
Welche potenziellen Risiken gehen mit nachhaltigen Investitionen einher und wie unterscheiden sie sich von klassischen Anlagen? Gibt es Massnahmen zur Risikominderung, die speziell auf die Nachhaltigkeitskriterien abgestimmt sind?
Wie kann ich nachhaltig investieren?
Nachhaltig investieren bedeutet, Kapital gezielt so einzusetzen, dass neben finanziellen Zielen auch ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt werden. Dabei stehen Ihnen verschiedene Ansätze und Anlageformen zur Verfügung – je nach Risikoprofil, Anlagehorizont und gewünschter Wirkung.
Crowdinvesting
Eine besonders wirkungsorientierte Möglichkeit ist das Crowdinvesting. Dabei investieren Sie direkt in konkrete Projekte, beispielsweise in Solar- oder Windparks, nachhaltige Immobilien oder soziale Initiativen.
Der Vorteil: Ihr Kapital fliesst unmittelbar in die reale Wirtschaft und kann eine klar nachvollziehbare Wirkung entfalten. Gleichzeitig erhalten Sie die Möglichkeit, gezielt Startups oder KMU-Projekte zu unterstützen, die Ihren persönlichen Werten entsprechen.
Auf swisspeers werden laufend neue Kreditauktionen geschaltet, in denen Sie unter anderem in spannende ESG-Projekte in der gesamten Schweiz investieren können.
Nachhaltige ETFs und Fonds
Eine der einfachsten Möglichkeiten ist die Investition in nachhaltige ETFs oder Fonds. Diese orientieren sich häufig an ESG-Kriterien und investieren bevorzugt in Unternehmen mit verantwortungsvoller Unternehmensführung sowie nachhaltigen Geschäftsmodellen.
Für Anleger bietet diese Variante eine breite Diversifikation und einen einfachen Einstieg in nachhaltige Geldanlagen. Allerdings ist die tatsächliche Wirkung oft indirekt, da viele dieser Produkte am Sekundärmarkt gehandelt werden.
Nachhaltige Aktien
Wer gezielt investieren möchte, kann einzelne Aktien von nachhaltigen Unternehmen auswählen. Dazu zählen beispielsweise Firmen aus den Bereichen erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität oder Kreislaufwirtschaft.
Diese Form der Geldanlage ermöglicht eine stärkere inhaltliche Kontrolle, erfordert jedoch auch mehr Recherche und Marktverständnis. Im Vergleich zum Crowdfunding handelt es sich am Aktienmarkt in der Regel um grössere Unternehmen.
Wachsende Bedeutung für Investoren – nachhaltig investieren zahlt sich aus
Wurden solche Bestrebungen zu Beginn der Nullerjahre noch belächelt, so ist nachhaltiges Investieren heute auf dem besten Weg, zum Standard zu werden. Das ist nicht zuletzt auf das wachsende Bewusstsein seitens der Gesellschaft, auf Investoren und auf sich verändernde gesetzliche Bestimmungen zurückzuführen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten wuchsen die verwalteten Vermögenswerte in der Schweiz, welche eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen, deutlich an. Gemäss dem Branchenverband Swiss Sustainable Finance stiegen diese alleine im Jahr 2024 um 13% gegenüber dem Vorjahr – auf über CHF 1’881 Milliarden.
Trotz dieses langfristigen Wachstums verlief die Entwicklung nicht durchgehend linear. Insbesondere im Jahr 2022 gerieten ESG-Anlagen unter Druck. Die Gründe für die schwächere Performance sind vielfältig und lassen sich auf eine Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit, steigenden Zinsen, Inflation, Greenwashing-Vorwürfen sowie einer kurzfristigen Umorientierung einiger Anleger in Reaktion auf geopolitische Spannungen zurückführen.
Dennoch bleiben nachhaltige Anlagen weiterhin ein wichtiger Wachstumstreiber im Finanzmarkt und bieten langfristig vielversprechende Perspektiven.
Abbildung: Swiss Sustainable Investment Market Study 2025
Gibt es nachhaltige Investments mit hoher Rendite?
Ob nachhaltige Anlagen grundsätzlich eine höhere Rendite erzielen, ist in der Finanzforschung nicht abschliessend geklärt – die Studienlage ist uneinheitlich und hängt stark von Anlageklasse, Zeitraum und Methodik ab. Klar ist jedoch, dass die Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) helfen kann, bestimmte Risiken frühzeitig zu erkennen, etwa regulatorische, reputationsbezogene oder klimabedingte Risiken. Wer nachhaltig investiert, verzichtet also nicht zwangsläufig auf Rendite, sondern gewinnt zusätzliche Informationen für fundierte Anlageentscheide. Durch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien, etwa im Zusammenhang mit Umwelt-, Sozial- oder Governance-Aspekten, wird dies ermöglicht.
Während bisher vor allem das Nachhaltigkeitsmanagement von börsenkotierten Unternehmen im Fokus der Investoren stand, gewinnt dies auch für kleine sowie mittlere Unternehmen und deren Geldgeber an Bedeutung. Die zunehmende Digitalisierung und Transparenz verstärken diesen Trend zusätzlich.
Die Bank Globalance hat zum Beispiel die Plattform Globalanceworld lanciert, die aufzeigt, welchen Einfluss Unternehmen auf die Klimaerwärmung haben oder generell welchen Footprint sie ausweisen.
Abbildung: Globalance World, digitale Weltkarte, mit der Sie die Wirkung und Rendite Ihres Vermögens entdecken
Diverse weitere Plattformen und Apps ermöglichen es zu analysieren, welche umweltschädigenden Inhaltsstoffe ein Produkt enthält oder wie Mitarbeiter ihre Arbeitsbedingungen beurteilen. Diesem Trend können sich auch KMU nicht entziehen.
Nachhaltigkeitsmanagement für KMU
In der Schweiz verschreiben sich immer mehr Unternehmen dem Thema Nachhaltigkeit: Vom Restaurant, das ausschliesslich auf Erzeugnisse aus regionalem und biologischem Anbau setzt, bis hin zum innovativen Unternehmen, das CO2-Emissionen vermeidet.
Das wachsende Bewusstsein seitens Kunden und Konsumenten betrifft alle KMU. Dabei ist von Bedeutung, dass man sich als Unternehmen bewusst wird, welche Faktoren entlang der Wertschöpfungskette seiner Produkte und Dienstleistungen welchen Einfluss haben.
In der Schweiz bieten zahlreiche Initiativen, Plattformen und Organisationen Unterstützung an, damit Unternehmen nachhaltiger wirtschaften können. So zeigt der Bund beispielsweise die Möglichkeit auf, worauf es ankommt, damit man als KMU Nachhaltigkeit messen kann.
«Die Nachhaltigkeit eines KMU zu messen, ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einer Anpassung des Unternehmens an die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung.» - Schweizerische Eidgenossenschaft
Dabei ist die ganze Wertschöpfungskette von Bedeutung – von Inputfaktoren, hin zum Herstellungsverfahren und dem fertigen Produkt. Der KMU Nachhaltigkeitskompass (vom Verband für nachhaltiges Wirtschaften) bietet eine praktische Grundlage, um Nachhaltigkeitsaspekte in das Lieferketten- und Beschaffungsmanagement zu integrieren.
Abbildung: B Impact Assessment von B Lab Schweiz
Die gemeinnützige Organisation B Lab Schweiz, ein Ableger der amerikanischen Non-Profit-Organisation B Corporation, stellt Unternehmen mit dem B Impact Assessment sowie dem Swiss Triple Impact-Programm ebenfalls Tools zur Verfügung, die es erlauben die Auswirkungen der geschäftlichen Tätigkeit zu messen und zu verbessern.
«Dieses auf europäischer Ebene einzigartige Programm unterstützt Schweizer Unternehmen dabei, ihren Beitrag zu den Zielen der Nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) zu messen und so die wichtigsten Verbesserungsbereiche zu identifizieren und gleichzeitig neue Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen und Innovationen zu fördern. Das STI-Programm schafft eine Dynamik, die ein landesweites Engagement ermöglicht, mit dem Gesamtziel, mehr als 3'000 Unternehmen in den verschiedensten Grössen und Sektoren zu mobilisieren. Das STI-Programm bringt eine Gemeinschaft wirkungsorientierter Unternehmen zusammen und schafft ein Ökosystem von Organisationen, die sich für eine nachhaltige Zukunft einsetzen.» - Swiss Triple Impact
«B Corporations» verpflichten sich, hohe Sozial- und Umweltstandards einzuhalten, rechtliche Unternehmensverantwortung zu übernehmen und Transparenz zu ermöglichen.
In der Schweiz haben sich so nebst diversen kleineren und mittleren Unternehmen auch bekannte Firmen wie Raiffeisen oder Too Good to Go als B Corporation zertifizieren lassen. Weitere kommen laufend dazu. Es gibt kein zurück.
Nachhaltig in Schweizer KMU investieren? Jetzt Investor werden bei swisspeers:
Nachhaltig investieren – Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen nachhaltigem und klassischem Investieren?
Beim klassischen Investieren stehen vor allem Rendite, Risiko und Liquidität im Vordergrund. Nachhaltiges Investieren berücksichtigt zusätzlich ökologische, soziale und ethische Kriterien. Ziel ist es, nicht nur finanziellen Erfolg zu erzielen, sondern auch verantwortungsvoll zu investieren und langfristige Risiken zu minimieren.
Welche Risiken gibt es bei nachhaltigen Geldanlagen?
Auch nachhaltige Geldanlagen unterliegen Marktrisiken, Kursschwankungen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Zusätzlich besteht das Risiko von Greenwashing, wenn Produkte als nachhaltig dargestellt werden, ohne klare Kriterien zu erfüllen. Zudem kann die Auswahl geeigneter Investments aufgrund unterschiedlicher ESG-Standards anspruchsvoller sein.
Ist nachhaltiges Investieren weniger rentabel?
Nicht zwingend. Viele nachhaltige Anlagen zeigen vergleichbare oder sogar bessere Ergebnisse als klassische Investments. Entscheidend sind Anlagehorizont, Strategie und Auswahl der Investments.
Wie erkenne ich nachhaltige Geldanlagen?
Achten Sie auf ESG-Kriterien, transparente Berichterstattung und klare Nachhaltigkeitsziele. Vorsicht ist bei unklaren Angaben geboten, da nicht alle „grünen“ Produkte tatsächlich nachhaltig sind (Stichwort: Greenwashing).

