Geld macht Anlegern und KMU Sorgen – aber ganz verschiedene

Sowohl Schweizer KMU als auch Anleger in Franken-Anleihen haben zunehmend Sorgen. Die einen beim Investitionskapital, die anderen beim Anlagekapital. Neue makroökonomische Gegebenheiten und technologischer Fortschritt führen beide Gruppen in ein immer stärkeres Spannungsfeld. Scheinbar besteht dazwischen weder eine Verbindung noch ein Ausgleich - oder doch?

KMU finden kaum günstiges Investitionskapital

Schweizer KMU stehen vor der zunehmenden Notwendigkeit, in ihre Digitalisierung zu investieren, während die Frankenstärke ihre Einkommensbasis unterminiert. Die Digitalisierung dominiert noch vor Konkurrenz und Fachkräftemangel die Liste der Herausforderungen für Unternehmen. Das hat eine von uns kürzlich durchgeführte Umfrage unter Geschäftsführern und Finanzverantwortlichen deutlich bestätigt.

 

Herausforderungen für Unternehmen Umfrageresultat: Herausforderungen

Investitionen in nicht physische Anlagen wie Webshops, die nächste Generation von ERP Systemen oder - fundamentaler - die Vernetzung der eigenen Wertschöpfungskette mit jener der Lieferanten und Kunden sind aufwendig. Solche Projekte sind jedoch, anders als Maschinen, für Banken keine anrechenbare Kreditsicherheiten. Für eine Fremdkapitalfinanzierung verlangen Banken aber nach Sicherheiten. Am liebsten sehen sie physische Maschinen oder ein Grundpfand. Genau das ist bei Digitalisierungsprojekten aber nicht vorhanden. In der Konsequenz wird die Finanzierung teurer oder der Bankkredit kommt erst gar nicht zustande. Den Unternehmen fehlt also die Möglichkeit, das nötige Kapital zu attraktiven Konditionen zu beschaffen. Für die Volkswirtschaft insgesamt ist diese restriktive und sicherheitsorientierte Finanzierungspolitik riskant – die Chancen der digitalen Wirtschaft werden nicht genutzt.

Anlegern fehlt die Aussicht auf Rendite

Und am anderen Ende des Wirtschaftsgeschehens stürzt das Niedrigzinsumfeld Kapitalanleger in Schwierigkeiten. Schweizer Staatsanleihen sind zu einem Verlustgeschäft geworden, weil ihre Renditen negativ sind. Die bekannten Finanzmärkte bieten keine valable Anlagealternative mehr. Das sind die Charakteristika des Schweizer Anleihemarktes heute:

  • die Renditen von Schweizer Staatsanleihen mit Laufzeiten bis zu 12 Jahren sind negativ (SIX CHF Zinskurve)
  • Auch risikoreichere Franken-Anleihen werfen nur sehr tiefe Renditen ab
  • Einen hochrentierlichen High Yield Markt für Unternehmensanleihen wie in den USA gibt es in der Schweiz nicht

Sogar ausgewiesene Experten wissen kaum mehr Rat für die Anleger. „Sowohl private als auch institutionelle Investoren befinden sich in einem kaum lösbaren Dilemma“ befand eine Podiumsdiskussion der NZZ Anfang März 2016 (NZZ Podium 8.3.2016). Diese war mit dem Kapitalmarktfachmann Manuel Ammann von der Uni St. Gallen, Philipp Hildebrand von Blackrock und dem NZZ-Börsenredaktor Michael Rasch äusserst kompetent besetzt.

Ich fasse das alles nochmal kurz zusammen: Einerseits benötigen Schweizer KMU Fremdkapital für Investitionen, welches sie von Banken nur schleppend erhalten. Andererseits suchen hohe Volumen in Schweizer Franken eine renditebringende Anlagemöglichkeit. Beide Gruppen verlangen dringend nach einem Ausgleich ihrer spannungsgeladenen Situation, die wir hier grafisch darstellen.

 

Paradox Unternehmer - Anleger Paradox Unternehmer - Anleger

Auf den ersten Blick bieten die bestehenden Strukturen von Finanzwirtschaft und Kapitalmärkten keinen Ausweg. Aber ich glaube wir haben eine sinnvolle Lösung! Nächste Woche werde ich Ihnen näheres verraten.

Wie nehmen Sie das geschilderte Spannungsfeld wahr? Sind Sie als Unternehmer oder als Anleger betroffen? Was ärgert Sie am meisten? Ich würde mich über eine Nachricht hier im BLOG oder per Mail freuen.

Author

Alwin Meyer

Gründer Fintech Startup swisspeers AG, Porträt NZZ