Furztrocken aber nötig: Kennzahlen

Dem Investor stellen wir eine Reihe Entscheidungshilfen zur Verfügung. Sie erlauben ihm einen Entscheid zu fällen, ob er einer bestimmten Firma Darlehen zur Verfügung stellen will. Neben dem Rating Buchstaben (A-D) sind das 5 Schlüsselkennzahlen. Sie zeigen die finanzielle Situation des Unternehmens zum Zeitpunkt des Jahresabschlusses. Wir erläutern was sie bedeuten und stellen ein Excel zur Verfügung – damit’ s nicht zu trocken wird.

 

Rentabilität, Liquidität und Kapital bei swisspeers

Bei unserer Bonitätsprüfung berechnen wir basierend auf der Bilanz und Erfolgsrechnung eines potentiellen Kreditnehmers eine Serie von Schlüsselkennzahlen, welche das Rating bestimmen. Fünf dieser Kennzahlen stellen wir auch dem Investor zur Verfügung. Das Rating setzt sich u.a. zusammen aus Rentabilitäts-, Liquiditäts- und Kapitalkennzahlen. So wird eine umfassende finanzielle Analyse sichergestellt.

Die Kennzahlen für sich alleine genommen haben aber nur eine beschränkte Aussagekraft. Daher fliesst die Branchenzugehörigkeit des Unternehmens in die Bonitätsprüfung mit ein und die Kennzahlen werden mit Durchschnittswerten der Branche verglichen.


Rentabilität

Die Rentabilität betrachtet das Verhältnis zwischen dem generierten Ertrag und dem investierten Kapital. Rentabilitätskennzahlen zeigen die operative Leistungskraft eines Unternehmens auf. Die dafür aussagekräftigste Kennzahl ist die EBITDA-Marge (Earnings before Interest, Taxes Depreciation and Amortization).

 

EBITDA-Marge

Definition: Die Kennzahl EBITDA ist eine Beschreibung der operativen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens vor dem Investitionsaufwand (operativer Gewinn). Die EBITDA-Marge zeigt das Verhältnis zwischen dem betrieblichen Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) und dem Umsatz.

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Beurteilung:
 Sie ist eine der wichtigsten Kennzahlen im Hinblick darauf, ob ein Unternehmen im Rahmen seiner operativen Geschäftstätigkeit alle anfallenden Kosten decken kann und zeigt, ob eine funktionierende Geschäftstätigkeit vorhanden ist.  Sofern die Abschreibungen betriebswirtschaftlich korrekt berechnet werden, zeigt diese Kennzahl auch zukünftige Ersatzinvestitionen, die (teilweise) eigenfinanziert werden können.

Mit dieser Kennzahl können Unternehmen mit unterschiedlicher Finanzierungsstruktur und einer länder- und rechtsformabhängigen Steuerbelastung, verglichen werden.

Zielwert: >0

 

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Liquidität

Die Liquidität untersucht die kurzfristige Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Aus diesem Blickwinkel muss zwischen Liquidität und Rentabilität abgewogen werden. Einerseits zielt das Unternehmen auf die Erwirtschaftung von Ertrag ab und andererseits sollten auch genügend flüssige Mittel vorhanden sein, um kurzfristige Schulden zu begleichen.

 

Liquiditätsgrad 2

Definition: Die Kennzahl misst, ob das Unternehmen in der Lage ist, kurzfristige Schulden durch flüssige Mittel zu begleichen.

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Beurteilung: Der Liquiditätsgrad 2 ist eine sehr aussagekräftige Kennzahl, da Gleiches mit Gleichem verglichen wird. Geld und Forderungen, die in kurzer Frist zu bezahlen sind, werden den ähnlich kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenübergestellt.

Richtwert: 100% -120%

Dieser Richtwert bedeutet, dass Schulden so lange problemlos bezahlt werden können, wie diese Kennzahl 100 % und mehr beträgt, unabhängig von Branche und Alter des Unternehmens. 

Liegt diese Kennzahl unter 100%, könnte dies ein Hinweis auf einen zu hohen Lagerbestand, aufgrund mangelnden Absatzes, sein. Dies könnte die Zahlungsfähigkeit gefährden und es können z.B. Lieferantenrechnungen nicht mehr innerhalb der Zahlungsfristen bezahlt werden. Operative Verluste oder die Finanzierung von Anlagevermögen über kurzfristiges Fremdkapital können weitere Ursachen für die Verschlechterung dieser Kennzahl sein.

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Liquiditätsgrad 3

Definition: Beim "Liquiditätsgrad 3" werden gegenüber dem Liquiditätsgrad 2 zusätzlich noch die Vorräte einbezogen. Es wird also das ganze Umlaufvermögen in das Verhältnis zu den kurzfristigen Schulden gesetzt.

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Beurteilung: Damit wird angegeben ob das Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Schulden mit einer Sicherheitsmarge zu begleichen, die einen unvorhersehbaren Wertverlust der flüssigen Mittel (Lagerbestände, Kunden) abfedert.

Empfohlen wird ein Wert zwischen 150% und 200%.

Bei der Interpretation dieser Kennzahl ist Vorsicht geboten. Aus folgendem Grund: Flüssige Mittel + Forderungen + Warenlager = Umlaufvermögen. Wenn ein hohes Warenlager vorhanden ist bei einem tiefen Umschlag (Ladenhüter), dann kann diese Kennzahl täuschen.

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Kapitalstrukturkennzahlen

Die Kapitalstrukturkennzahlen geben Auskunft über die Struktur der Passiven eines Unternehmens. Untersucht wird die operative Nutzung des vorhandenen Vermögens und das Risikoverhalten eines Unternehmens.

 

Eigenfinanzierungsgrad

Definition: Der Eigenfinanzierungsgrad betrachtet den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital (Bilanzsumme) und widerspiegelt den Autonomiegrad des Unternehmens.

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Beurteilung: Ein hoher Eigenkapitalanteil (hoher Eigenfinanzierungsgrad) ist ein Zeichen für unternehmerische Unabhängigkeit und solide Bonität. Gleichzeitig widerspricht dies der Rentabilität, da Eigenkapital eine teure Finanzierungsquelle ist.

Das bedeutet, der Eigenfinanzierungsgrad sollte aus Sicherheitsgründen möglichst hoch sein, aus Renditesicht möglichst tief.

Richtwert: Grundsätzlich zwischen 30-70%. Je höher das unternehmerische Risiko, desto höher sollte der Eigenfinanzierungsgrad sein.

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Verschuldungsfaktor

Definition: Gibt an, wie viele Male (wie manches Jahr) der letzte Cashflow erarbeitet werden müsste, bis die Effektivverschuldung abbezahlt ist. Effektivverschuldung bedeutet, dass die Berechnung auf effektiven Zahlungsströmen und nicht auf Aufwands- und Ertragsgrössen basiert.

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Beurteilung: Grundsätzlich gilt - je tiefer der Verschuldungsgrad, desto mehr Sicherheit für die Gläubiger. 

Die Aussagekraft des Verschuldungsfaktors ist insbesondere auf lange Sicht aussagekräftig. Wenn ein Unternehmen über einen längeren Zeitraum gefährdet ist, steigt in der Regel die Effektivverschuldung während der Cashflow sinkt. Somit hebt die Kennzahl die ungünstige finanzielle Entwicklung hervor. 

Richtwerte:

  • < 3: sehr gut
  • 3-6: akzeptabel
  • > 7: Reorganisation oder Restrukturierung / finanzielle Sanierung

Was bedeutet ein negativer Verschuldungsfaktor?

Grundsätzlich gilt: je tiefer der Verschuldungsfaktor, desto sicherer für einen Investor in dieses Unternehmen zu investieren. Der Verschuldungsgrad kann auch einen negativen Wert annehmen, wenn die Verbindlichkeiten kleiner als die liquiden Mittel sind.  In diesem Fall nimmt die Verschuldung ab und der Cashflow zu.

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Hier das Excel-Sheet runterladen und selber Kennzahlen berechnen!

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