Transparente KMU-Kredite schmecken Crowdlending-Investoren am besten

Die Weihnachtszeit mit ihren Spendenaufrufen zeigt: Wer das Herz erreicht, erreicht auch das Portemonnaie. Die oft sehr detailreichen Spendenaufrufe machen klar, warum eine Spende sinnvoll ist. Wer sich angesprochen fühlt, engagiert sich aus Überzeugung. Auch Crowdlending-Kreditnehmer wissen um den Wert der möglichst persönlichen Ansprache potenzieller Crowdlending-Investoren.

Bei Banken ist das ganz anders. Der Sparer steht vor einer anonymen Black Box, in der sein Geld verschwindet. Der Kreditnehmer weiss auch nicht, von wem sein Kredit finanziert wird. Sicher ist nur, dass sein Kreditantrag durch viele Hände gegangen ist.

Keine anonyme Blackbox für Crowdlending-Investoren

Es gibt nur wenige Crowdlending-Plattformen die so anonym arbeiten. Dort wissen weder Crowdlending-Investoren noch Kreditnehmer, wer jeweils auf der anderen Seite steht. Allerdings kennt der Investor – anders als bei Banken – immerhin die Eckparameter „seines“ Kredites wie Zweck, Laufzeit und Risikolevel.

Crowdlending-Anleger wissen mehr

Doch beim Crowdlending gibt es auch Plattformen, die wesentlich transparenter arbeiten. Insgesamt existieren vier Abstufungen, die von der Anonymität bis zur völligen Öffentlichkeit der Finanzierungsvorgänge reichen. Das illustriert diese Grafik:

 

Crowdlending-InvestorenGrafik: Anonym bis öffentlich - Transparenz gewinnt

 

Folgende Varianten sind beim Crowdlending möglich:

  • Kreditnehmer und Kreditgeber sind und bleiben anonym, sowohl während der Anbahnung der Kreditbeziehung wie auch während ihrer Laufzeit. Plattformen, die so arbeiten, nutzen Forderungsabtretungen. Das Modell ähnelt bei der Transparenz der Finanzierung einem Bankkredit.
  • Anonyme Präsentation des Kreditantrags. Der Investor erfährt erst nach der Abgabe seines verbindlichen Angebots, wer seine Gegenpartei ist. Der Kreditnehmer wiederum kennt seine bis zu 20 Investoren. Die Investoren kennen sich jedoch untereinander nicht.
  • Persönliche Präsentation des Kreditantrags. Die Kreditnehmer stellen sich mit ihrem Unternehmen und Finanzierungsvorhaben im Mitgliederbereich der Plattform ausführlich vor. Registrierte und identifizierte Investoren kennen und evaluieren schon vor dem Investitionsentscheid mehrere Kredit suchende Unternehmen. Auch hier kennen sich die Investoren untereinander nicht.
  • Öffentliche Präsentation des Kreditantrags. Jedermann kann sich die Detailangaben des Kreditnehmers ansehen. Im Crowdlending-Sektor der Schweiz ist mir kein Akteur bekannt, der so operiert. Dagegen ist für andere Crowdfinance-Varianten wie das Crowdsupporting und Crowddonation diese Öffentlichkeit genau das, was den Erfolg ausmacht. Das Finanzierungsbedürfnis wird öffentlich präsentiert und weit herum geteilt, damit sich genug Unterstützer finden.

Kredit suchende KMU wählen Transparenzlevel aus

Bei swisspeers.ch liegt es im Ermessen des Kreditnehmers, wie weit er bei der Transparenz gehen will. Es stehen ihm die Varianten 2) und 3) offen. Bisher haben die meisten Kreditnehmer die Variante 3) mit der persönlichen Präsentation gewählt. Sie haben deshalb von mehreren Vorteilen profitiert:

  • Transparenz signalisiert Vertrauen. „Ich habe nichts zu verstecken“ ist die Botschaft eines namentlich gezeichneten Kreditbegehrens. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Investor sich dafür interessiert und investiert.
  • PR-Effekt in der Investorencommunity von swisspeers. Die Präsentation macht auf das Unternehmen und seine Produkte aufmerksam. Da lassen sich rasch ein paar Velos oder Weinflaschen mehr verkaufen. Das Unternehmen kann den Kreditantrag auch im eigenen Netzwerk promoten und auf seine Wachstumspläne aufmerksam machen – ein Zeichen der Stärke.

Unsere Kreditnehmer, die den persönlichen Ansatz gewählt haben, berichten ausnahmslos positiv über ihre Erfahrungen. Das hat auch unser erster Peerevent in Winterthur gezeigt.

 

 

Peerevent für Crowdlending-Investoren und KreditnehmerFoto: Erster swisspeers Peerevent in Winterthur

 

Anfangs hatten wir nicht erwartet, dass sich die Mehrheit der Kreditnehmer für diese transparente Variante entscheidet, weil doch diverse Informationen über das Unternehmen öffentlich werden. Objektiv gesehen ist die Offenlegung jedoch sehr beschränkt. Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass sich ein Konkurrent als Investor auf der Plattform tummelt, kann er aus den Informationen keine echten Vorteile für seine Firma ziehen.

Crowdlending-Investoren und KMU werden zu doppelten Gewinnern

Fazit: Moderne Finanzierung hat heute einen persönlichen Touch. Investoren können sich da engagieren, wo nicht nur die Finanzkennzahlen, sondern auch die Story für sie attraktiv sind. Eine double bottom Line eben. Investiert wird analog den persönlichen Überzeugungen. Das gibt Anlegern den wirtschaftspolitischen Einfluss zurück, den sie sonst an eine Bank abtreten.

Für Schweizer KMU ist diese Variante ebenfalls doppelt sinnvoll: Wenn ein KMU seinen Kreditantrag richtig präsentiert, interessieren sich nicht nur Investoren für die Finanzierung eines Firmenkredites. Der geplante Geschäftskredit wird zur starken PR-Botschaft: Das Unternehmen präsentiert seine Stärken, seine Produkte, und es will wachsen.

 

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