KMU-Übernahme: Drei Pfeiler zur richtigen Finanzierung

Unternehmensübernahmen sind gerade für KMU ein wichtiges Thema. Oft geht es dabei um Nachfolgelösungen für Unternehmer, die ihr Lebenswerk in die Hände der nächsten Generation legen. Prinzipiell ist die Übernahme - Finanzierung von KMU eine Herausforderung für die Käuferseite. Allerdings soll und muss der Verkäufer daran ebenfalls grosses Interesse haben: Soll, weil es für seine Pläne wichtig ist, dass die Finanzierung überhaupt zu Stande kommt. Muss, weil oft ein fachlich fähiger Nachfolger bereit steht, dem aber die Mittel fehlen, den gesamten Kaufpreis aufzubringen.

Vor diesem Hintergrund geben wir hier eine kurze Auslegeordnung der möglichen Übernahmefinanzierungsformen für die Unternehmensübernahme.

 

Eigenkapital - wem gehört was bei Übernahmen

Das Eigenkapital ist Kapital mit Eigentumsrechten (Stimm-/Dividendenrechte) an der Firma selbst. Im Gegenzug zu den Rechten trägt es das unternehmerische Risiko. Typischerweise können folgende Eigenkapitalquellen angegangen werden:

  1. Eigenes Geld des Käufers: Ersparnisse, Erbschaften und ggf. die Pensionskasse.
  2. Eigene Mittel von Familie und Freunden des Käufers.
  3. Der Verkäufer behält zunächst einen Teil des Eigenkapitals (Aktien/Anteilsscheine). Zusammen mit dem Käufer wird ein Plan für die schrittweise Übernahme dieser Anteile ausgearbeitet („Earn Out“-Modelle).
  4. Eigenkapital von Dritten wie Business Angels, Crowdinvesting Plattformen, Private Equity Firmen. Beispiele für Crowdinvesting Plattformen sind investiere.ch oder c-crowd.com.

 

Darlehen und Kredite - von der Bank oder der Crowd

Ein gewisser Anteil des Übernahmepreises kann mit Darlehen und Krediten finanziert werden. Das ist rückzahlbares Kapital und wird gegen Zinszahlungen zur Verfügung gestellt. Die Höhe des Anteils der Fremdkapitalfinanzierung ist stark branchenabhängig. Mögliche Quellen sind:

  1. KMU-Crowdlending: Eine private und/oder institutionelle Investorenschaft gewährt ein amortisierendes Darlehen über eine Online Plattform. Zumeist können so bis zu 70 Prozent des Kaufpreises direkt und ohne Bank finanziert werden.
  2. Bankkredit: Banken gewähren im allgemeinen Kredite in Höhe von bis zu 50 Prozent des Kaufpreises. Dafür sind jedoch Sicherheiten wie Immobilien oder Firmenanteile zu verpfänden oder es muss eine Bürgschaft gestellt werden.

 

Mezzanine Kapital - hybride Finanzierungsform

Mezzanine Kapital stellt eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital dar. Es gibt dabei Ausgestaltungsoptionen, die Firmenkäufer und Kapitalgeber individuell vereinbaren können (z.B. Wandlungsrechte in Eigenkapital). Je nach Ausgestaltung nimmt Mezzanine-Kapital eher den Charakter von Fremd- oder Eigenkapital an und wird oft genutzt, um Finanzierungslücken zwischen Eigen- und Fremdkapital zu schliessen. Typische Möglichkeiten zur Mezzanine-Finanzierung:

  1. Spezialisierte Fondsgesellschaften bieten Mezzanine-Kapital als Eigenkapitalersatz an. In der Schweiz sind das beispielsweise Helvetica Capital oder Tavis Capital.
  2. Verkäuferdarlehen: Hierbei gewährt der Verkäufer der Firma dem Käufer einen Teil des Verkaufspreises als rückzahlbaren Kredit. Diese Kredite sind meist nachrangig gegenüber anderen Darlehen & Krediten und werden daher oft zum Eigenkapital gezählt.

Für die Strukturierung einer KMU-Übernahme ist es lohnenswert, den Austausch mit erfahrenen Persönlichkeiten zu suchen. Es gibt zahlreiche Berater oder Treuhänder, die Übernahmen strukturieren und individuell passende Finanzierungen entwickeln. Swisspeers kann bei Bedarf mit Kontakten zu diesen Profis aushelfen.

 

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