3. Swisspeers-PeerEvent: Ein Schweizer Netzwerk zur KMU-Finanzierung

Die Kreditvolumen steigen und immer mehr Anleger investieren in KMU-Kredite für Schweizer Unternehmen. Die 2016 gegründete KMU-Crowdlending-Plattform Swisspeers veranstaltete Anfang April ihren 3. PeerEvent im Casinotheater Winterthur. Rund 150 Gäste kamen, um das neueste rund um die KMU-Crowdlending-Plattform Swisspeers und die optimale Gestaltung von Anlageportfolios unter Einbezug von KMU-Krediten zu erfahren. Ferner berichteten zwei Unternehmerpersönlichkeiten über ihre Erfahrungen mit den KMU-Krediten der Crowdlending-Plattform Swisspeers.

 

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KMU-Finanzierung auf Augenhöhe von Peer zu Peer

Die Eröffnung des Abends übernahm Alwin Meyer, Gründungspartner von Swisspeers. Er blickte zurück auf die bisherigen PeerEvents und freute sich über die stetig gestiegene Teilnehmerzahl. Swisspeers sieht er unter anderem inspiriert von den Ideen Wilhelm Raiffeisen: „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautete der frühe Slogan der Raiffeisen-Bewegung. Das ist für Meyer auch der Gedanke hinter dem Swisspeers-Konzept: Finanzielle Unterstützung von Peer zu Peer auf Augenhöhe.

Heute vermittelt die Plattform Swisspeers zwischen kapitalsuchenden Schweizer Unternehmen und Anlegern, die ihr Geld festverzinslich in Franken anlegen wollen. Unternehmen können über die Plattform von Swisspeers Kredite zwischen 50‘000 Franken und einer Million Franken beantragen. Sie haben nicht nur einen einfachen Kreditprozess vor sich, sondern können auf Wunsch auch starke PR-Effekte nutzen. Anleger wiederum erzielten im Durchschnitt einer Verzinsung von 5,5 Prozent auf ihr Kapital bei einer Laufzeit von drei Jahren. Bisher hat Swisspeers bereits Kredite im Gesamtvolumen von rund 16 Mio. Franken vermittelt und über 1‘000 Investoren sind auf der Plattform engagiert. Dabei kam es zu lediglich einem Kreditausfall und zwei in Zahlungsverzug befindlichen Kreditnehmern.

Bild: Die Gäste treffen ein im Casinotheater WinterthurBild: Die Gäste treffen ein im Casinotheater Winterthur

 

Finanzierungsplattform ohne Systemrisiken

Swisspeers hat eines der grössten unabhängigen und dezentralen Netzwerke zur Kapitalbeschaffung für KMU in der Schweiz geschaffen. Eine Plattform, die unabhängig von traditionellen Bankensystem arbeitet und keine systemischen Risiken beinhaltet. Das Potenzial ist gross, denn in den Bilanzen der Schweizer KMU schlummern rund 25 Mrd. Franken an Überliqudität. Meyer ist sich sicher: Dieses Geld könnte – vorteilhaft für die Eigentümer und die Schweizer Volkswirtschaft – an andere Unternehmen verliehen werden. Verglichen mit konventionellen Anlagemöglichkeiten präsentiert sich der zu erwartende Zinssatz als sehr attraktiv.

Über „Anlagestrategien im Tiefzinsumfeld“ referierte anschliessend Patrik Imholz von Asio Finanz. Imholz ging zunächst darauf ein, dass die Geldpolitik die aktuelle Wirtschaftsentwicklung nur ungenügend reflektiere. Die Zinsen seien weiterhin äusserst tief, obwohl die Wirtschaftsleistung und die Inflation wieder steigen. Für 2020 erwartet sogar die Schweizerische Nationalbank eine Inflationsrate von rund 1,9 Prozent. Vor diesem Hintergrund sind die sonst so beliebten zehnjährigen Bundesobligationen keine sinnvolle Anlage – sie rentieren derzeit fast nicht und dürften durch die anziehende Inflation zu einem Verlustgeschäft werden.

 

KMU-Kredite als festverzinsliche Kapitalanlage

Trotzdem sind festverzinsliche Anlagen ein unverzichtbarer Bestandteil eines gut diversifizierten Portfolios. Imholz riet zu Anleihen mit kurzer Laufzeit ebenso wie zur Berücksichtigung von Anleihen aus aufstrebenden Volkswirtschaften (Emerging Markets). Die von Swisspeers vergebenen KMU-Kredite sind eine valable Möglichkeit, dem Tiefzinsumfeld des Schweizer Frankens zu entgehen. Die KMU-Kredittranchen erzielten attraktivere Renditen als traditionelle Schweizer Obligationen. Allerdings sollte man das KMU-Kreditportfolio möglichst breit diversifizieren, um Klumpenrisiken zu vermeiden.

 

NEOX E-Bike macht Crowdlending-Kredit zum Marketingtool

Über seine Erfahrung als Kreditnehmer sprach – nach einer Pause mit einem reichhaltigen Apero riche – Gianni Mazzeo von NEOX E-Bike. Er hat im Herbst 2017 seinen ersten Swisspeers-Kredit nicht nur zur Kapitalbeschaffung, sondern vor allem als Marketinginstrument genutzt. Wer immer darin investierte, erhielt als Sicherheit ein E-Bike, welches frei genutzt werden kann während der Kreditlaufzeit. Damit wurden die Kreditgeber zu Botschaftern der neuen E-Bike-Marke.Für Mazzeo lag der Reiz der Firmengründung darin, das Velo von Grund auf neu und nur für den Elektrobetrieb zu entwickeln. Damit distanziert er sich nach eigenen Aussagen von den allermeisten anderen heutigen Herstellern, die in der Regel lediglich die Komponenten diverser bekannter Hersteller einkaufen und zu einem Rad zusammenfügen.

Im Verlauf des Kreditantragsprozesses beeindruckte ihn die Geschwindigkeit, aber auch die Seriosität, mit der der Antrag bearbeitet wurde. „Es war alles extrem unkompliziert“, erinnerte er sich. Mazzeo hat bereits ein weiteres Kreditgesuch auf der Swisspeers-Plattform ausgeschrieben. Mit diesem Kredit über erneut 75‘000 Franken möchte er seine neueste Marketing-Idee finanzieren: Die NEOX-Bikes sollen Unternehmen als Dienstfahrräder angeboten werden. Sein Tipp für neue Kreditnehmer: Die Investoren einbinden und ihnen die Infos geben die man selbst als Investor gern hätte. Ausserdem könne man beruhigt die Ratschläge des Swisspeers-Teams beherzigen.

Bild: Gianni Mazzeo, NEOX Ebikes, läuft zur Höchstform aufBild: Gianni Mazzeo, NEOX Ebikes, läuft zur Höchstform auf

 

Swisspeers setzt auf Blockchain-Technologie

Die neuesten Features der Swisspeers-Plattform stellte dann Stefan Nägeli von Swisspeers vor. In den vergangenen 12 Monaten wurde die Plattform um eine ganze Reihe neuer Funktionen erweitert. Für KMU-Kreditkunden sind vor insbesondere zwei Neuerungen von Interesse: Eine Schnittstelle zur Buchhaltungssoftware von Bexio vereinfacht das Stellen eines Kreditantrages durch die automatisierte Übernahme von Finanzkennzahlen. Dank der Integration der Services des Devisen-Marktplatzes Amnis ist zudem die Auszahlung des Kreditbetrages in Euro möglich.

Die Bedürfnisse von Investoren in KMU-Kredite addressieren ebenfalls mehrere Innovationen. Der automatische Anlageauftrag kann die selbstständige Investition in Kredittranchen nach vorgegebenen Parametern auslösen. Ein neu geschaffener Sekundärmarkt für laufende Kredittranchen gibt Anlegern die Möglichkeit, sich vor Laufzeitende von Tranchen zu trennen. Für alle Plattformnutzer wiederum wertvoll ist die Kooperation mit Futurae, welche nun eine Zweifaktor-Authentifizierung erlaubt und damit die Sicherheit auf der Plattform erhöht.

Die grösste Nachricht sparte sich Nägeli aber für die zweite Hälfte seines Referates auf: Swisspeers wird künftig die KMU-Kredite auf der Ethereum-Blockchain verwalten, als einer der ersten Finanzintermediäre überhaupt. Transaktionen rund um KMU-Kredite werden damit einfacher, schneller und sicherer, begründete Nägeli diese Entscheidung. Die Investoren erhalten automatisch ein von Swisspeers gemanagtes Wallet und Transaktionen können anschliessend sofort und direkt zwischen Anlegern erfolgen, weshalb die Liquidität im Sekundärmarkt steigen dürfte. Allerdings bleibt die vertragliche und finanzielle Basis in der Beziehung zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer unverändert.

 

Baumot: Gründliche Antragsprüfung, rasche Finanzierung

Abschliessend sprach Roger Kavena, CEO der Baumot AG, welche Nachrüstungen zur Schadstoffreduzierung von Fahrzeugmotoren anbietet. Im Gespräch mit Alwin Meyer berichtete er, wie man schon vor mehreren Jahren die Marktlücke identifizierte, welche die nicht funktionierenden Abgasreinigungssysteme der Autohersteller darstellten. Entsprechend habe man die Technik der SCR-Katalysatoren entwickelt, welche die Schadstoffe im Abgas tatsächlich und im Alltagsbetrieb auf das gesetzlich zulässige Mass reduzieren.

Sein Unternehmen nahm den mit rund 500‘000 Franken bisher grössten Einzelkredit bei Swisspeers auf. Kavena ist vor allem die sehr gründliche Prüfung der Antragsunterlagen in Erinnerung geblieben – und dass er nach Zustandekommen des Kredits rund 100 Schuldanerkennungen einzeln unterzeichnen musste. Das Geld wurde für den Aufbau eines Standortes in England verwendet. Mittlerweile hat dort die öffentliche Hand dreistellige Millionenbeträge für die Nachrüstung von Fahrzeugen aus öffentlichen Fuhrparks – meist Busse- bewilligt. Eine ähnliche Entwicklung sieht Kavena auch in Deutschland kommen. Neuen Kreditnehmern rät er, ein gutes Geschäftsmodell mit prognostizierbarem Cash Flow vorweisen zu können. Eine gewisse Maturität sei ebenfalls nötig, da die Swisspeers-investoren wohl wenig Interesse an Startups hätten.

Nach dem Präsentationsteil nutzten die zahlreichen Gäste den Abend und den stilvollen Rahmen des Casinotheaters für einen intensiven persönlichen Austausch – auf der fachlichen Ebene zwischen Unternehmern und Investoren, aber sicher auch abseits finanzieller Themen.

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