Direct Lending hat abgehoben – warum 2026 das Momentum bestätigt
Auf Anlegerseite akzentuiert sich der Anlagenotstand bei festverzinslichen Anlagen und auf der Kreditnachfrageseite gibt es eine Kreditklemme. Diese Tatsachen verleihen Direct Lending Flügel.
Anlegerseite: Der Anlagenotstand akzentuiert sich
Im Schweizer Franken wird der Anlagenotstand wieder zum Thema. Zehnjährige Bundesobligationen werfen nur noch knapp 0.3 Prozent Rendite ab, was kaum die Inflation deckt (0.2%) geschweige denn die Depotgebühren. Auch auf Sparkonten gibt es keine Zinsen mehr.

Matthias Geissbühler, Chefökonom der Raiffeisen sagt am 29.12.2025 in der NZZ: "Da wir nicht von weiteren signifikanten Zinssenkungen ausgehen, ist bei Obligationen kaum mit Kursaufwertungen zu rechnen.
Die Erträge stammen daher fast ausschliesslich aus dem Coupon – und dieser fällt bescheiden aus: Schweizer-Franken-Anleihen guter oder sehr guter Bonität liefern realistisch 0,5 bis 1 Prozent Zinsen.
Deshalb halten wir in unserer Asset-Allokation am Untergewicht bei Obligationen fest. Die Renditeaussichten sind gering, besonders unter Berücksichtigung der Inflation."
Festverzinsliche Anlagen in Fremdwährung als Alternative?
Festverzinsliche Anlagen in Fremdwährung sind eine risikoreiche Wette gegen die seit Jahren andauernde strukturelle Aufwertung des Schweizer Franken. So haben US Treasuries wohl 4-5% Zins bezahlt aber der US Dollar hat seit anfangs 2025 rund 12% an Wert verloren. Eine Währungsabsicherung würde die Renditedifferenz zu Bundes-Obligationen wohl vollständig absorbieren - ein doppeltes Nullsummenspiel.
Obligationen im Vergleich zu Direct Lending
Wie können Anleger im Niedrigzinsumfeld ihre Anlagestrategie optimieren? Sie ahnen es: Direct Lending bietet eine interessante Alternative zu traditionellen Anlageklassen.
Anlagen in KMU Kredite bringt Stabilität ins Anlageportfolio und attraktive Renditen im festverzinslichen Bereich – vorausgesetzt, das Portfolio ist ausreichend diversifiziert.
Die erwartete Rendite von Direct Lending übersteigt jene von Anleihen klar bei moderat höherem (Kredit-)Risiko. Die höhere Rendite kommt einher mit einer weniger liquiden Anlage.
Andererseits sind kaum Marktpreisschwankungen (Zinsrisiko/Volatilität) zu erwarten aufgrund der Ausgestaltung der KMU Kredite als amortisierende Kredite über Laufzeiten von 6 bis 60 Monate. Das ergibt eine Duration von unter 2 Jahren.
Die Nachfrage bleibt hoch - die Kreditklemme bleibt Realität
Was Unternehmer seit dem Untergang der Credit Suisse spüren, ist inzwischen breit dokumentiert: Die Kreditvergabe im Firmenkundengeschäft ist restriktiver geworden. Selbst Banken sprechen heute offen von einer deutlich selektiveren Kreditpolitik.
Dies bestätigte vor Wochenfrist Prof. Dr. Andreas Dietrich und Prof. Dr. Nils Hafner im IFZ Retail Banking Blog, wo sie Thesen zum Retail-Banking 2026 aufstellen.
In These 1 steht u.a. «…bleiben die Margen insbesondere im KMU-Kreditgeschäft tendenziell etwas höher. Dies ist unter anderem auf eine differenziertere Bepreisung, die in gewissen Segmenten infolge des Wegfalls der Credit Suisse geringere Wettbewerbsintensität sowie eine selektivere Kreditvergabe zurückzuführen.»
Die drei Gründe, welche ich anfangs 2025 aufgeführt habe, die die Kreditklemme bewirken, bleiben auch 2026 weiterhin bestehen:
- Konsolidierung im Bankensektor,
- strengere Kapitalanforderungen (Basel III) und
- hohe Prozesskosten im kleinteiligen Firmenkundengeschäft
Direct Lending hat abgehoben
Wir konnten im 2025 über 20% wachsen im KMU Direct Lending. Nachdem in den Vorjahren einige Mitbewerber das Geschäft aufgaben, sind im 2025 wieder neue dazugekommen. Der Markt ist attraktiv für Anleger wie für Kreditnehmer.
2025 war das Jahr des Abhebens. 2026 zeigt: Direct Lending ist im Steigflug: Als Anlageklasse für Investoren in Schweizer Franken – und als Finanzierungsquelle für Unternehmen – ist Direct Lending gekommen, um zu bleiben.
