10 Jahre swisspeers: von der Idee zur Gründung
Bevor wir swisspeers gegründet haben, waren wir drei Gründer in unterschiedlichen Rollen bei einem US-Softwarekonzern in der Schweiz tätig. Wir waren mittlerweile in Management-Rollen, hatten unsere Wurzeln aber in Softwareentwicklung, Produktmanagement und Vertrieb – eine Kombination, die uns auf unserem Weg ins Unternehmertum von grossem Nutzen sein sollte.
Der langweilige Büro-Moment
Der eigentliche Ursprung von swisspeers liegt in einem langweiligen Büromoment: Zwischen Weihnachten und Neujahr 2014/15 sassen wir im Office unseres damaligen Arbeitgebers Sungard (heute FIS Global) und warteten auf die letzten Vertragsunterzeichnungen des Jahres. Diese ruhige Phase nutzten wir, um zu überlegen, was wir als Nächstes machen wollen.
Zu dieser Zeit nahm der Fintech-Hype in der Schweiz gerade Fahrt auf. Gleichzeitig hatten wir in unserer täglichen Arbeit beobachtet, dass Unternehmenskredite für Banken zunehmend an Bedeutung verloren. Eine SECO-Studie bestätigte diesen Eindruck.
Für uns war klar: Hier entsteht eine Lücke in der Finanzierung von kleineren Unternehmen.

Abbildung: Auf dieses Papier lässt sich bauen - es war ausschlaggebend für unseren Businessplan
Wir begannen, internationale Plattformen wie LendingClub in den USA oder Funding Circle in UK zu analysieren und überlegten, wie ein solches Modell in der Schweiz funktionieren könnte. Die ersten Ideen wurden ausgetauscht, viele Flipchart-Zeichnungen entstanden.
Corporate Jobs gekündigt
Im April 2015 haben wir den Schritt gewagt und unsere Corporate-Jobs gekündigt. Im August 2015 gründeten wir mit der Meyer, Hug & Nägeli Kollektivgesellschaft eine Projektgesellschaft.
Unser erstes „Office“ war der Dachstock von Mitgründer Andi Hug, wo wir unser Geschäftsmodell, die Plattform und die Prozesse weiterentwickelten – wiederum in einer Flipchart Orgie und viel Research.
Ein mehrseitiges Geschäftsmodell, ja klar!
Ursprünglich hatten wir ein dreiseitiges Geschäftsmodell im Kopf: Neben der Finanzierung von KMU und der Investorenseite wollten wir auch Beratungsleistungen für Unternehmen anbieten.
Relativ schnell wurde uns jedoch klar, dass die Komplexität damit für den Start zu hoch war. Wir reduzierten das Modell auf zwei Seiten: KMU und Anleger.
Später bin ich auf das Buch Matchmakers (Evans & Schmalensee, 2016) gestossen. Ein Satz daraus ist mir bis heute geblieben:
“A multisided platform is one of the toughest business models to get right.”
Ich kann das auch heute noch zu 100% unterschreiben.

Beirat und Regulierung - check
Parallel dazu haben wir einen Beirat aufgebaut – mit erfahrenen Experten aus allen relevanten Bereichen: Treuhand, Unternehmenskredit, Informationstechnologie, Bankenregulierung, Recht und Kommunikation. Wir trafen uns monatlich und diskutierten unseren Fortschritt sowie die nächsten Schritte. Diese externe Perspektive war für die Entwicklung unseres Geschäftsmodells enorm wertvoll.
Ein entscheidender Meilenstein kam Ende 2015: Wir stellten unser Modell der FINMA vor, inklusive einer intensiven Q&A-Session mit dem damaligen Direktor Mark Branson. Im Januar 2016 erhielten wir grünes Licht – verbunden mit den ersten grossen externen Kosten: Anwälte. Mit der regulatorischen Klärung abgehakt, war für uns eine der grössten Starthürden genommen.
Von der Idee zur Umsetzung
Danach ging es an die Umsetzung: Wir wandelten die Kollektivgesellschaft in eine Aktiengesellschaft um und begannen, externes Kapital zu beschaffen. Gleichzeitig programmierte mein Mitgründer Stefan die erste Version unserer Plattform.
Zu dem Zeitpunkt gab mir der Gründer des erfolgreichsten Schweizer Fintechs folgende Weisheit mit. Sie verfolgte mich in den letzten 10 Jahre:
«Weisst Du Alwin, die Idee ist 10% und 90% ist Umsetzung».
Die Namensfindung war ein unerwartet anspruchsvoller Prozess unter uns Dreien. Wir haben viel diskutiert, verworfen und neu gedacht – 3 Leute 5 Meinungen. Am Ende einigten wir uns auf „swisspeers“ – als Arbeitstitel. Aber wie bei der Namensfindung für das eigene Kind, wenn es einmal geboren ist, dann sieht der Hans wie der Hans aus, ist einfach der Hans und das Thema ist erledigt.
Erste Logos entstanden in PowerPoint, wurden aber schnell wieder verworfen. Über 99designs haben wir schliesslich professionelle Entwürfe erstellen lassen – ein Prozess, der mehr Zeit in Anspruch nahm als erwartet.
Schnell benötigten wir erstes Fotomaterial. Dazu sind wir mit unserer langjährigen Hausfotografin (sie hatte bereits meine Hochzeit 2009 fotografisch verewigt) in die alte Sulzerhalle 53 am Sulzer-Katarinen Platz gepilgert - das Resultat im Blog-Foto oben.
Parallel dazu arbeiteten wir an unserer Go-to-Market-Strategie. Unser „Hello World“-Moment war der erste Blogartikel am 31. März 2016 zum Thema:
„Viele KMU überschätzen die Nachteile von Fremdkapital“.
Wenige Tage zuvor, am 23. März 2016, wurde swisspeers offiziell im Handelsregister eingetragen – der formale Startpunkt einer Reise, die uns bis heute prägt.
Wie wir die ersten KMU-Kredite finanzierten, erzähle ich in einer nächsten Episode.
