Crowdfunding Monitor 2019: zwischen Schwarm und Hai

2018 wurden in der Schweiz via Crowdfunding CHF 516.6 Millionen vermittelt und damit 38% mehr als im Vorjahr. Crowdlending trägt mit 262 Millionen den grössten Teil zu den vermittelten Summen bei, gefolgt von Crowdinvesting mit 205 Millionen. Der Schweizer Schwarm ist 130'000 Personen stark. Aber: ist er bedroht?


Am Montag publizierte das Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern zum 5. Mal den Crowdfunding Monitor. Die Studie erfasst die 37 in der Schweiz aktiven Plattformen. Im Bereich Crowdlending, dem Tätigkeitsgebiet von swisspeers sind es 17. Die gesamte Studie steht hier zum Herunterladen bereit. Im Folgenden fassen wir die Hauptresultate zusammen und ergänzen unsere Sicht.

 

Crowdlending trägt gut die Hälfte zum Volumen bei

Der grösste Bereich innerhalb von Crowdfunding war Crowdlending mit einem Volumen von CHF 262 Millionen. Das Wachstum gegenüber 2017 beträgt 40.3 Prozent. Der zweitgrösste Bereich ist Crowdinvesting mit einem Volumen von CHF 204.9 Millionen (+51.5%). Über Invoice Trading wurden CHF 24.3 Millionen abgewickelt (+3.2%). Das Volumen von Crowdsupporting/Crowddonating ging auf CHF 25.6 Millionen zurück (-12.1%). Die Anzahl Kampagnen sind aber um 7.0% auf 1’644 gestiegen.

Bild Crowdfunding Volumenentwicklung

Noch nicht ganz sattelfest in der Schwarmfinanzierung? Hier paar nützliche Links zu den einzelnen Subkategorien des Crowdfunding:

 

4 Thesen für’s Crowdfunding im Jahr 2019 – und unser ‘Take’

Vor dem Hintergrund der durchgeführten Analysen stellen die Studienautoren Prof. Andreas Dietrich und Simon Amrein folgende Thesen für die Entwicklung im Crowdfunding-Markt für das Jahr 2019 auf. Wir geben unsere 5 Cent dazu:

  1. Wachstum hält an –-> das glauben wir auch. Bisher haben jeweils Einzelkategorien oder Ereignisse die Volumen getrieben. 2018 wurden die Volumen im Crowdinvesting durch Crowdhouse mit der Immobilienteileigentümerschaft stark beeinflusst. Im Crowdlending trieben die kommerziellen Immobilienprojekte. Was wird’s im Jahr 2019 sein? Crowdsupporting hat bereits ein Leuchtturmprojekt geliefert mit der Finanzierung des Zirkuszelts von Knie.
  2. Marktkonzentration akzentuiert sich – Markteintritte werden seltener –-> genau! Ein Tag nach der Publikation der Studie hat lend.ch angekündigt, lendico, eine Tochter der PostFinance, zu übernehmen. Scheinbar bereinigt die Postfinance ihr Portfolio (unser Kommentar zum damaligen Markteintritt). Damit ist nach der Basellandschaftlichen Kantonalbank bereits das zweite «etablierte» Finanzinstitut aus dem Markt ausgestiegen.
  3. Crowdfunding entfernt sich immer mehr von der Grundidee --> Wird der Report bald nicht mehr Crowdfunding Report heissen können? Werden die Modelle mehr und mehr von der traditionellen Finanzindustrie vereinnahmt? Siehe nächster Abschnitt!
  4. Die Bedeutung des Schweizer Crowdfunding Marktes wird im internationalen Vergleich sehr hoch bleiben. --> Und das Potential, insbesondere im Crowdlending bleibt riesig. 35'000 Unternehmen pro Jahr mit unerfüllten Finanzierungsbedürfnissen stehen einer breiten Anlegerschaft gegenüber mit Anlagenotstand.

Zur These 3: Crowdfunding entfernt sich immer mehr von der Grundidee

Wie wir schon früher in diesem BLOG festgestellt haben, wandelt sich insbesondere das Crowdlending immer mehr zum «Market Place Lending» und damit wird der Investorenschwarm durch Institutionelle Investoren bedrängt.162 BLOG add on

 Das findet vor allem im Crowdinvesting und im Crowdlending statt. Drei Gedanken dazu:

  • Einerseits wird die ursprüngliche Idee der Demokratisierung von 'Investieren und Finanzieren' mit der Institutionalisierung untergraben. Siehe auch unser BLOG Post: Peer-to-Peer Lending ist demokratischer als Marketplace Lending.
  • Andererseits helfen institutionelle dem Markt schneller zu wachsen und diesen zu professionalisieren. Das kommt auch der Crowd zugute. So setzten wir bei swisspeers auf ein faires Nebeneinander von Schwarm und Hai; peer to peer - auf Augenhöhe ;).
  • Schliesslich befinden wir uns nur auf einer Zwischenstation hin zu digitalen Vermögenswerten. Diese werden dezentralisiert gespeichert und können jederzeit gehandelt werden im demokratischen, weil dezentralen Web 3.0, dem Internet of Value. Hierhin ist swisspeers unterwegs mit der Tokenisierung von KMU Krediten.

 

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Author

Alwin Meyer

Gründer Fintech Startup swisspeers AG